Ausstellung in Meschede

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Zur Ausstellung (I)

Zum 150.Geburtstag des Malers Vincent van Gogh fanden an etlichen Orten dieser Welt im Jahr 2003 Gedenkausstellungen statt. Die Ausstellung hier in Meschede, die detailgetreue Ölkopien zeigt, umfasst einen Teil seiner bekanntesten Werke. Sie stellt eine Übersicht dar von van Goghs ersten wichtigen Arbeiten bis hin zu einem seiner vermeintlich letzten Bilder.

Was macht die Faszination des Künstlers Vincent van Gogh aus, der als einer der Begründer der modernen Malerei gilt? Ist es die Tragik seines unruhigen Lebens? Sind es seine Bilder, die sein Versuch sind, dem Chaos der Wirklichkeit seine eigene Ordnung entgegenzusetzen? Es ist wohl beides, denn bei van Gogh ist Kunst und Leben so unlösbar verbunden, das eine so abhängig vom anderen wie umgekehrt. Sicherlich kommt noch etwas anderes hinzu, wenn man das riesige Interesse an dem Künstler van Gogh verfolgt. Betrachten wir die Kunstgeschichte, so wird eine gewisse Kontinuität in der Entwicklung der Kunst sichtbar. Jede Kunstepoche spiegelt einen bestimmten geschichtlichen Ablauf oder einen historischen Zustand wieder. Während zur Zeit der Renaissance die mythologischen und religiösen Beweggründe des Künstlers Vorrang hatten, gewann der Mensch und mit ihm die Natur in den Epochen des Barock, Rokoko, der Romantik und später des Impressionismus an künstlerischer Bedeutung oder wurde für die Künstler sogar vorrangig. In der modernen Zeit ist die Malerei nicht mehr so sehr dem erkennbaren Abbild verpflichtet. Die Sichtweise des Künstlers wird bestimmt durch soziologische, technische und zeitgeschichtliche Zusammenhänge.

Anders bei van Gogh. Sein Leben lässt sich nicht in den Gesetzen einer Zeit und eines Milieus einordnen, sein Werk keiner Richtung und keinem Programm. Er war ein Einzelgänger, im Leben wie in seiner Arbeit. Sein künstlerischer Werdegang hat nichts zu tun mit dem, was andere Maler bewogen hat, zu zeichnen oder zu malen. Nicht seine Begabung war es, die ihn zu Pinsel und Palette greifen ließ; nicht eine künstlerische Bewegung, der er folgte oder die ihn begeisterte. Am allerwenigsten war materielle Sicherheit durch den Verkauf von Bildern ein Beweggrund, sich der Kunst zu widmen. Sein Weg war der eines Menschen, dessen Herz hinter dunklen Mauern schlug, der sich sehnte und litt und nicht wusste warum. Bis er eines Tages, nach vielen künstlerischen Versuchen in seiner Heimat Holland, später in Paris, wie als Befreiung von seinen künstlerischen Fesseln im Süden Frankreichs die "Sonne sah" und hier mit unbändigem Antrieb in mehr als zwei Jahren über 300 Gemälde und viele Zeichnungen schuf.

Diese Zeit fieberhafter Arbeit forderte jedoch ihren Preis. Van Gogh erreichte die Grenzen seiner seelischen und körperlichen Kraft. Nach mehreren Krankenhausaufenthalten, bedingt durch Nervenzusammenbrüche, zog er auf Anraten seines Bruders Theo im Frühsommer 1890 nach Auvers bei Paris. Hier malte er bis zu seinem Freitod im Juli desselben Jahres Bilder von expressiver Kraft, von denen manche aus heutiger Sicht als ein Menetekel seines gewaltsamen Endes erscheinen.

Eines seiner letzten Bilder ,"Getreidefeld mit Raben" erscheint als das Vermächtnis eines ruhelosen und gleichsam einsamen Menschen. Van Gogh litt an dieser Welt und zerbrach an ihr. Mit seiner Kunst schuf er sich eine neue, eigene Welt, die er sich mühsam errungen hatte.


" ... das Elend wird nie ein Ende haben" (Zitat aus einem Brief an seinen Bruder Theo)