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| Ausstellung in Meschede
Ausstellungs-Texte HOMMAGE |
Zur Ausstellung (II) Seit vielen Jahren besteht ein großes Interesse an Malerei des 19. Jahrhunderts, speziell der französischen, und hier besonders an den Impressionisten wie Monet, Renoir, Pissarro oder Sisley. Diese und andere verkörpern eine neue Richtung in der bildenden Kunst. Anstelle akademischer Normen und geschichtlicher Bezüge in der Malerei z.B. eines Jean Auguste Ingres oder Jacques Louis David treten lebensnahe und heitere Themen in den Vordergrund. Die Maler verließen die Ateliers und malten lichtdurchflutete Landschaften. Es entstand die sogenannte "Plein Air"- Malerei. Bezeichnend für diese neue Richtung waren zwei Dinge. Zum einen wurden die dunkleren Farben vergangener Zeiten durch hellere ersetzt. Die Farbe Schwarz wurde fast völlig von der Palette verbannt. Zum anderen kennzeichnete eine ganz andere Technik diese Malerei. Durch rhythmisches Aneinanderreihen kommaartiger Striche oder Punkte entstanden Bilder, die durch Aufsetzen spontaner Lichteffekte die Stimmung des Augenblicks einfingen. Durch das Fehlen fester Umrisskonturen entstanden oft Formen als flimmernde Farbschleier. Der Begriff "Impressionismus", den ein damaliger Kunstkritiker benutzte, um die neue Bewegung lächerlich zu machen, wurde spontan von den Malern aufgenommen, weil er genau das beschrieb, was diese jungen Künstler wiederzugeben versuchten: Die Impression des Augenblicks. Van Gogh hat zwei Jahre, von 1886 bis 1888 in Paris zwischen dieser Gruppe von Malern gelebt. Er hat sie bewundert und versucht, ihre Technik zu übernehmen. Besonders einer war es, mit dem er sich auseinander setzte: George Seurat. Dieser hatte nach seinen eigenen Worten bereits den Impressionismus überwunden. Er malte Bilder, die später als pointilistisch bezeichnet wurden. Er hatte eine Maltechnik erfunden, die auf wissenschaftlichen Erkenntnissen der Farbenlehre basierte. Er ersetzte den flüchtigen Strich der Impressionisten durch Punkte aus reinen Farben, die sich im Auge des Betrachters zu Mischtönen verwandelten. Aber wie hat van Gogh diese Lehre verwertet! Man beachte die Reinheit und den pastosen Auftrag seiner Farben. Oft sind diese dicken Flecken von kräftigen farbigen Linien umrahmt und die Flächen von farbsteigernden Strichen bewegt. Van Gogh treibt die Farbtupfen, die Seurat anwandte, zu Linien aus, die Linien zu Rhythmen, und sie werden dabei so stark, dass sie die Form zu verändern beginnen. Das rhythmisch verformte Detail ist auf allen seinen Bildern zu erkennen. In seinen späteren Werken wird der Rhythmus das ganze Bild auflösen, die Dinge schwingen in ihm mit, werden verändert, deformiert, geraten in Bewegung, sie kreisen, lodern, wogen, ballen sich zusammen. Van Goghs Farbrausch ist ein Hymnus an die Welt, gleichzeitig aber auch der einzige Halt, der es ihm ermöglichte, diese Welt zu ertragen. Nur so wird die tiefe Intensität seiner Bilder verständlich. |
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