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Vincents Krankheit

Die medizinische Wissenschaft hat sich mit dem Fall van Gogh eingehend beschäftigt. Der behandelnde Arzt hat in seinem Bericht von Anfällen mit Gesichts- und Gehörhalluzinationen gesprochen, und seine Bestimmungen haben sich zuletzt als richtig erwiesen. Man nimmt heute allgemein an, dass der Maler an einer latenten, epileptoiden Psychose gelitten hat, die zu Ohnmachtsanfällen führte, begleitet von Depressionen, Angstzuständen und Verfolgungswahn. Die Anfälle folgten in unregelmäßigen Abständen, waren verschieden schwer und zwangen den Künstler auf Wochen und Monate, die Arbeit zu unterbrechen. Um so fruchtbarer waren die Zwischenzeiten, während derer van Gogh sich über die Natur seiner Krankheit völlig im Klaren war, so dass er sachlich und ruhig mit seinen Ärzten die Möglichkeit der Heilung besprechen konnte.

Im 19. Jahrhundert hat es viele kranke Genies gegeben. Hölderlin, Schumann, Nietzsche gehörten zu ihnen. Auch in Beethovens und Schuberts Leben hat die Krankheit als eine furchtbare Geistesnot eingegriffen.

"Genie ist eine in der Krankheit tief erfahrene, aus ihr schöpfende und durch sie schöpferische Form der Lebenskraft." (Thomas Mann)